Wenn der Zwergtaucher zweimal wiehert...

Im Sommer geht mir die Sonne zu früh auf und meistens zu spät unter. Deshalb gibt es zwischen Juni und August weniger Landschaftsbilder. Der Sommer gehört mehr der Tierfotografie.

 

Der mit Abstand niedlichste Wasservogel unserer Breiten ist der Zwergtaucher.  Nur ungefähr zwei Drittel so groß wie ein Bläßhuhn ist er sozusagen der kleine Cousin des fast überall anzutreffenden Haubentauchers. An sich führt er eine ähnliche Lebensweise: wie ein kleiner Süßwasserpinguin ist er die meiste Zeit beschäftigt, unter Wasser nach Nahrung zu suchen. Er frißt vor allem kleine Wirbellose wie Libellenlarven, Wasserkäfer und Krebschen, aber an und zu knöpft er sich auch einen Frosch oder Molch vor. Weil er so klein ist, lebt er lieber an kleinen, verkrauteten Teichen, wo es keine großen Raubfische gibt. Dass irgendwo Zwergtaucher sind, erkennt man meistens nur an ihren Rufen, besonders im Frühjahr. Es klingt wirklich wie ein Wiehern – allerdings eher wie das Wiehern eines kleinen Barbie-Pferdchens. Oder wie das Lachen eines irren Wichtelmännchens.

 

Einen Zwergtaucher zu fotografieren ist nicht so ganz einfach. Man muss warten, bis sie sich einmal aus der Deckung trauen. Auch dann bleiben sie meistens auf Abstand. Nicht so gut, zumal sie, wie gesagt, sehr winzig sind. Es braucht nicht nur Geduld, sondern auch eine anständige Tarnung, um die Vögel zu fotografieren. Trotzdem bleibt es schwierig: kaum erschienen, tauchen sie schon wieder ab. Zwergtaucher können zwar nur kurze Zeit die Luft anhalten, aber unter Wasser legen sie relativ weite Strecken zurück und erscheinen hinterher irgendwo ganz anders wieder an der Oberfläche. 

 

Wenn im Juni die Jungen geschlüpft sind, kann man sie leichter fotografieren. Das einzige, was noch niedlicher ist als ein Zwergtaucher ist ein kleiner Zwergtaucher im Dunenkleid. Ich hatte Zwergtaucher unter anderem an einem mit Wasserlinsen fast komplett bedeckten Waldteich entdeckt. Der Altvogel ist fast die ganze Zeit beschäftigt mit Tauchen und Füttern der fünf Küken und hat eigentlich keine Zeit, auf Störungen zu achten. Purer Streß für die Mutter, da die Jungen sich sofort auf das Alttier stürzen, wenn es wieder aufgetaucht ist.

 

So konnte ich jedenfalls den Zwergtaucher und die Jungen ganz gut fotografieren. Alle Bilder habe ich vom Ufer aus gemacht, in einen Tarnponcho gehüllt, auf einer Isomatte im Matsch liegend, mal von Fröschen, mal von Mäusen umhüpft. Toll wäre natürlich ein Schwimmversteck gewesen. Fotografisch geht es sicherlich besser, aber das geht bei fast jedem Bild. Es macht einfach Freude, die Vögel zu beobachten, draußen zu sein und die Stimmung zu genießen. Darauf kommt es mir an.  Dass das Wasser auf einigen Bildern so knallgrün aussieht, liegt daran, daß die Tümpel, an dene ich die Aufnahmen gemacht habe, mitten im Wald liegen: das Grün der Bäume spiegelt sich im Wasser.

 

Wo es Zwergtaucher gibt, leben natürlich auch andere Vögel und Tiere. So ergab sich einiges an Beifang: Eisvögel, Graureiher, Frösche und anderes. 

 

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