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Kanada - hier steppt der Bär!

Und der Elch natürlich auch! In diesem Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen alten Wanderbuddy zu besuchen, der seit etlichen Jahren in Kanada lebt. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich dann auch mehrere Nationalparks angeschaut.

Als erstes knöpften wir uns den Elk Island Nationalpark in der Nähe von Edmonton vor. Das ist ein sehr kleiner und relativ unbekannter Nationalpark, der gleichwohl eine Menge zu bieten hat. Der Park selber erinnerte mich an den Duvenstedter Brook – eine Sumpf- und Waldlandschaft, allerdings mit größeren Tieren. Statt Hirschen und Wildschweinen sagen sich hier die Bisons und Elche Gute Nacht. Es ist schon ein besonderes Gefühl, bei einer Wanderung den letzten Resten der nordamerikanischen Megafauna gegenüber zu stehen! Wie immer empfehle ich, die Bilder im Vollbildmodus zu genießen!

Danach sind wir Richtung Yukon aufgebrochen. Auf dem legendären Alaska-Highway arbeiteten wir uns vor bis Haines Junction, nahe der Grenze zu Alaska, wo wir unser "Hauptquartier" aufschlugen. Beeindruckend fand ich, wie viel Platz die Kanadier haben. Der Yukon ist so groß wie Finnland und Deutschland zusammen – es leben aber nur knapp 43.000 Menschen dort. Riesige Flächen, wo einfach nicht s ist – außer Natur. Leider war die Fotoausbeute nicht so reichhaltig wie erhofft, regnerisches Wetter limitierte sowohl die Wander- als auch die Fotomöglichkeiten.

Im zweiten Teil der Reise erkundeten wir die berühmten Nationalparks bei Banff und Jasper. Während wir im Yukon weitgehend unter uns waren, begegneten wir in Banff und Jasper Horden an Touristen. Das Bild vom Sonnenaufgang am Lake Louise ist schön – es strahlt kühle Einsamkeit und erhabene Stille aus. War ja auch morgens um halb sieben. An Alleinsein und Ruhe war jedoch nicht zu denken. Als ich um 6 Uhr zum See kam, war die Uferpromenade bereits voll mit MenschenMASSEN. Unglaublich – so etwas hatte ich noch nie erlebt, selbst nicht an den Hotspots auf Island (link). Ein paar hundert andere Leute wollten mit mir den Sonnenaufgang am Lake Louise zelebrieren – mit Selfies, Timelapse-Aufnahmen und Familienfotos. Nur mit Mühe konnte ich manche andere „Naturfreunde“ davon abhalten, mir ins Bild zu bomben. Der Blick über den Lake Louise auf den Mt. Victoria und den Gletscher ist ja auch geradezu unwirklich schön und es freut mich, dass hier die Natur der Star ist, einfach nur das alltägliche Geschehen, wie morgens die Sonne aufgeht. Als die Bergspitzen im ersten Sonnenlicht erglühten, waren auch erstaunlich viele Menschen still vor Ehrfurcht, von der sie wahrscheinlich gar nicht wussten, dass sie sie empfinden konnten.

Eigentlich sind die Nationalparks ein Fest für die Kamera – die Fotoplätze reihen sich von Süd nach Nord wie auf einer Perlenkette. Gletscherseen, Bergmassive, Wasserfälle. Man muss nur morgens immer schön früh aufstehen, um das beste Licht zu erwischen. Uneigentlich war auch mir das zu anstrengend und dann waren da noch die Waldbrände. Ein großer Brand nahe Jasper hüllte die ganze Stadt in Rauch, zerstörte die Stromleitung, vertrieb die Touristen und löste bei den Einheimischen Besorgnis aus. Hinzu kamen noch andere Brände in den USA und in British Columbia, deren Rauchteilchen mit dem Wind den Weg bis in die Rockies fanden. Das Ganze führte zu einer Art grauem Dunst, der über allem lag. Dieser Rauchschleier weitete sich dann aus über die ganze Nationalparks und vermieste Lichtqualität und Fotofreude. Auch mit Wandern war nicht mehr viel zu machen – lausige Aussicht und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Bergwandern in der rauchgeschwängerten Luft sonderlich gesund sein soll. Wir brachen darum unsere Tour einige Tage früher ab als geplant.

Und nun zu den Bären... Jedermensch hofft natürlich in Kanada auch auf Wildlifebegegnungen – etwa mit Dickhornschafen und Wapitis zum Beispiel. Besonders hatte ich mich ja auf Bären gefreut. Die Chancen schienen mir gut zu stehen. Überall in den Nationalparks wird darauf hingewisen, daß es hier Bären gibt und man unbedingt die Sicherheitshinweise befolgen solle (Essen und Essensreste bomben- bzw. bärensicher zu verpacken).  Leider fanden wir nur einen, der tot am Highway lag. Vermutlich hatte er Kontakt gehabt mit einem der riesigen Pickups oder einem noch größeren Laster, die über die  kanadischen Straßen brettern. Am Tag unserer Abreise versuchte mich mein Kumpel noch zu trösten: „Vielleicht siehst du heute ja noch einen Bären?“ Erstaunlicherweise behielt er recht. Wir sahen eine ganze Bärenfamilie – Mutter Schwarzbär mit zwei Jungen. Aber nicht im Wald, nicht auf den Bergwiesen, sondern mitten in Jasper! Das Bären ins Stadtgebiet eindringen, kommt immer mal wieder vor. Dieses Jahr war jedoch ein schlechtes Beeren-Jahr und die Bären suchen dann in der Stadt nach Obstbäumen und anderem Essbaren. So auch diese Schwarzbärenfamilie. Drei sichtlich gestreßte Ranger versuchten, die Bären mit Schreckschußwaffen („Bear-Banger“) und Lärm aus dem Stadtgebiet zu vertreiben. Streß war es auch für die Bären, die sich in unbekanntem Territorium bewegen, umgeben von fremden Gerüchen, Lärm und Menschen. Wenn dann noch Leute wie ich auftauchen, wird es sowohl für die Bären als auch für die Ranger noch stressiger. Damit die Situation nicht aus dem Ruder läuft, sollte man den Anweisungen der Ranger unbedingt folgen und nicht versuchen, irgendwie das Superbild zu machen. Die Fotos hier sind alle aus dem sicheren Auto heraus entstanden. Geradezu surreal erschien mir, wie entspannt die Bewohnerinnen und Bewohner von Jasper blieben: ein Parkarbeiter mähte den Rasen, eine Frau führt ihren Hund aus, nebenan auf dem (eingezäunten) Schulhof tobten die Kinder. Offenbar kriegen die Leute hier öfter mal Bärenbesuch. Als die Bären direkt am Eingang des örtlichen Krankenhauses vorbei trabten, blieben die Menschen allerdings lieber hinter der Tür.

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Kommentare: 3
  • #1

    Astrid (Samstag, 15 Oktober 2022 21:05)

    Was für Bilder. Gott ist groß.

  • #2

    H (Sonntag, 16 Oktober 2022 09:37)

    Da wäre ich auch mal gerne gewesen! Schöne Momente hast du eingefangen.

  • #3

    Uta (Montag, 17 Oktober 2022 11:22)

    Superschöne Bilder, und auch die Texte haben mich an eurer Reise teilhaben lassen. :)

sg-naturephoto.com - revgruetzmacher@aol.com

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