Was gibt es Schöneres als bei minus 20 Grad im Winter mit gefrorenen Füßen in einer engen Hütte zu sitzen, in der man noch nicht mal aufrecht stehen kann, und auf einen toten Fuchs zu starren?
Also, mir würden ja schon ein paar Dinge einfallen. Aber wenn es dann so weit ist und der Steinadler endlich einfliegt, sind alle Beschwernisse vergessen! Ich war mal wieder in meiner zweiten Heimat Finnland unterwegs. Diesmal nicht in Karelien sondern in Nordösterbotten, in der Nähe von Oulu. Um einen ganz besonderen Vogel in besonderer Atmosphäre zu fotografieren – den Steinadler. Mitten im tiefsten Winter und in ganz viel Schnee. Prinzipiell ist das Fotografieren von Adlern genauso wie das von Bussarden (siehe hier), nur das die Steinadler viel größer sind und sich viel seltener blicken lassen als ihre kleinen Verwandten. Also, es galt erstmal jeden Tag zu warten. Die Zeit und die kalten Füße konnte ich mir vertreiben mit dem Ablichten von allerlei anderen Vögeln, die sich in der Nähe des Hides herumtrieben. Meistens Meisen, Rabenvögel und Spechte. Gleichwohl gilt es, das Luder – einen toten Schneehasen oder einen toten Fuchs - im Auge zu behalten. Denn manchmal tauchte der Steinadler ganz plötzlich auf. Ein besonderer Moment, wenn die Krähen und Elstern auseinanderstieben, wenn der Chef im Ring sich zur Landung anschickt.
Ist der Adler erstmal gelandet, passiert die meiste Zeit nicht viel. Wenn er zu fressen angefangen hat, dann frißt er. Und frißt. Und frißt…ziemlich lange. Der Energiebedarf ist hoch, besonders im eiskalten Winter. Auf den Bildern erkennt man wie der Raureif sich um Augen und Gefiederspitzen der Vögel legt. Und während die Adler fressen, wartet man, dass es einen Zwischenfall gibt – der Adler fliegt auf. Oder er schmelzt ab. Oder - unter fotografischen Gesichtspunkten am besten – ein zweiter Adler taucht auf und es kommt zum Streit ums Futter. Action ereignet sich oft innerhalb von Sekunden und es ist schwer mit dem dicken Teleobjektiv immer hinterher zu kommen. Die „Kampfszenen“ in der Galerie sind am späten Abend entstanden, bei spärlichem Licht und entsprechen eigentlich nicht ganz meinen Qualitätsansprüchen. Das ist Naturfotografie – ein winziger Moment entscheidet, ob es ein interessantes Foto wird oder ein langweiliges. Oder ob es gar keins gibt. Erstaunlich fand ich, dass die Prügeleien sich kaum unterschieden von denen der Mäusebussarde.
Darüber hinaus sind Steinadler wunderschöne Tiere. Ihre Gefiederfarben reichen von eierschalenbeige über nussbraun bis rotgolden. Wer die Klauen betrachtet, die so groß und scharf sind wie Tigerkrallen, der ahnt, wieviel Kraft so ein Adler hat.
Ich hoffe, es ist mir gelungen, etwas von der Kraft und Anmut des Steinadlers in den Bildern festzuhalten.
Noch mehr Adler gibt es hier und hier!























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Uta Möllhoff (Donnerstag, 19 März 2026 21:33)
Lieber Stefan,
Das sind wieder wunderschöne Fotos. Um die kalten Füße beneide ich dich nicht, aber um die besonderen Erlebnisse und um deine zweite Heimat Finnland. �
Toll!
Liebe Grüße an euch,
Uta
Romano Amend (Dienstag, 24 März 2026 13:48)
Danke für die wundervollen, kraftvollen Fotos! Ich spüre, wieviel Ausdauer und Leidenschaft darin stecken.
Steinadler sind schon phantastische Lebewesen. Toll, wie Ihnen die Fotos mit den gespreizten Schwungfedern gelungen sind! Da ist so viel Kraft und Eleganz. Besonders berührend fand ich aber auch die Bilder vom Buntspecht und Grünspecht am verschneiten Baumstamm. Einige Eiskristalle sind zu mir herübergeweht. ;-)
Herzliche Grüße
Romano Amend